About Ramen

Ursprünge des Ramen

Japan, Meiji 5, das Jahr 1872 im gregorianischen Kalender. Eine Zeit des Aufbruchs und Umsturzes. Eine Zeit des Wandels und des Lernens und der Beginn einer Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Es ist die Geschichte des Ramen, jenes Gerichtes, das in Japan längst Kultstatus erlangte und nun auch in anderen Ländern seinen Siegeszug antritt. Doch der Reihe nach.

Wir befinden uns in Japan gegen Ende der Edo-Zeit (1603-1868). Mehr als 200 Jahre komplette Abschottung gegenüber dem Ausland hatten eine lange Friedensperiode und eine beispiellose wirtschaftliche und kulturelle Blüte ermöglicht. Alle Bereiche der japanischen Gesellschaft waren von kultureller Entwicklung durchdrungen und auch die Esskultur blieb davon nicht unberührt. Bereits Mitte des 18. Jahrhunderts gab es in den größeren Städten Spezialitätenrestaurants und erste Restaurantführer. Über allem stand der ästhetische Aspekt. Gerichte mussten geschmackvoll dekoriert sein und sollten die Jahreszeit widerspiegeln. Für jeden Monat im Jahr gab es bestimmte Speisen. Es entwickelte sich eine japanische Küche nahezu frei von äußeren Einflüssen, ganz auf das japanische Gefühl von Ästhetik abgestimmt. Dies sollte sich jedoch schlagartig ändern.

Durch die selbstgewählte Isolation gab es kaum technische Fortschritte. Die Industrialisierung war an Japan ebenso vorbeigegangen wie die enormen Entwicklungen in der Waffentechnik. Für die dominanten Seemächte dieser Zeit war es ein leichtes, Japan 1853 mit Kanonenbootpolitik zur Öffnung zu zwingen. Nach einer Zeit der inneren Unruhen ordnete sich Japan 1868 neu, vollzog eine 180°-Wende und startete eine beispiellose Ära der Modernisierung. Wissen war die oberste Maxime, es galt von anderen Nationen zu lernen. In allen Bereichen des Lebens gab es plötzlich Einflüsse aus dem Ausland und auch die japanische Küche bildete keine Ausnahme. Ausländer, die nach Japan kamen, gingen zuerst in Yokohama an Land. Von dort gedieh die Saat neuer Ideen und Fertigkeiten und verbreitete sich über ganz Japan. Hier entstand auch im Jahre 1872 das erste Ramen-Restaurant.

Ramen als Speise

Ramen, d.h. Nudeln chinesischen Ursprungs, kombiniert mit einer Suppe und Beilagen aus traditionell japanischer Küche, wurden erstmals 1872 im chinesischen Viertel Yokohamas angeboten. Nach einer Weile gab es Ramen-Restaurants in weiteren Städten. Der Geschmack wurde verfeinert und um regionale Zutaten und Geschmacksnoten ergänzt. Heute hat jeder größere Ort Japans Ramen-Restaurants, eine ganze Ramen-Kultur ist entstanden – berühmte Restaurants hüten ihre geheimen Rezepte und Schulen haben sich auf die Ausbildung von Ramenköchen spezialisiert.

Es sind nicht nur schlichte Nudelsuppen, die angeboten werden. Umami ist das Wort der Wahl, wenn es um die Suppe geht. Eine Vielzahl an Zutaten sorgen für diesen Geschmack. Die Nudeln, deren Herstellung ungleich schwerer als bei anderen Nudelarten ist, müssen mit viel fachlichem Geschick zubereitet werden. Beilagen, die perfekt auf die Suppe abgestimmt sind, runden das Geschmackserlebnis ab.  Nicht zuletzt ist es der optische Eindruck der Speise, der in japanischen Ramen-Restaurants hohe Priorität genießt. Betrachtet man die kunstvoll gestalteten Ramen mit ihrer liebevollen Dekoration, kann man auch heute noch einen Hauch Edo-zeitlicher Ästhetik verspüren.